Interview for the Commi Bastard Fanzine
(Aug 2011)



In English please!


Könnt ihr eure Bandgeschichte kurz zusammenfassen? Immerhin gibt’s euch schon seit 1992. Das ist ne lange Zeit. Was hat sich verändert, was nicht? Was hat euch bewogen immer wieder weiter zu machen und auf welche Erfahrungen hättet ihr lieber verzichtet?


PDF wurden 1992 aus einer Gruppe antifaschistischer Skins und Punks direkt von der Straße bzw. direkt am Stuttgarter Schlossplatz gegründet. Damals brauchte man nur einen Kassettenrecorder mit in den Proberaum nehmen, auf Aufnahme zu drücken und schon war quasi das Album fertig. Getourt wurde derzeit noch mit Zügen und jede Menge Anhang. In einer Hand die Gitarre in der anderen ein Bier begab man sich auf große Reisen und das 5 Jahre lang, bis sich die Band vorerst auflöste. Damals hatte man das meist 80%ig allgemeine Dumpfbackenpublikum eigentlich auch schon reichlich satt,
bis dann nach 5 Jahren unser Revival kam.
Verändert hat sich seither viel. Die üblichen Dumpfbacken haben sich vermehrt, und sind sogar noch dämlicher geworden, bzw. haben sie jetzt auf einmal ihren gemeinsamen Feind, die Antifa, entdeckt. Früher war es noch der Fascho, der wird aber heute dann doch durchaus auch mal akzeptiert. Deswegen haben wir mit der Zeit auch unsere Konzertpolitik selbst grundlegend geändert, um uns von einigen Schlappschwänzen, auf die wir eigentlich eh nie Bock hatten, abzugrenzen. Können anderen nur raten es uns gleich zu tun, es gibt nichts besseres! Wir haben aber auch keine Lust mehr, Bands, Booking Agenturen, versch. Labels und Veranstalter zu unterstützen, die über die Jahre hinweg, größtenteils wissentlich, mitgeholfen haben die allgemeine „Messlatte nach rechts“ woanders anzulegen. Und auf ihre lächerliche Scheinrebellion schon 3x nicht. Erspart hätten wir uns nach heutigem Kenntnisstand natürlich auch das eine oder andere Konzert mit diversen fragwürdigen Bands wie Vortex, Riot Company, Scharmützel usw. (zwar nicht in fragwürdigen Läden wie der Moloko Bar, der Forellenstube, oder der Schwedenschanze, so weit haben wir es ja nicht getrieben, aber trotzdem), doch auch die Show auf dem Punk & Disorderly mit Oppressed, bei der ja auch Stomper 98 auftraten, sowie die „Antifascist Oi! Show“ in Stuttgart mit den Affen von Discipline, lassen sich nicht unbedingt in Wohlgefallen auflösen, auch wenn an der Tür einigen Spezialisten, die am
KC-Konzert in Stuttgart teilnahmen, der Eintritt verwehrt blieb.
Nunja, wichtig ist uns jedenfalls, nicht so weiterzumachen und zur Verschmelzung einer ganzen Subkultur mit rechts beizutragen, wie es viele mit gutem Gewissen tun. Als Band gerät man oft in Gefahr zu denken dass man das Feld nicht für andere freigeben sollte, besonders wenn man noch nicht so bekannt ist. Mittlerweile fragen wir uns vielmehr in welchem Feld wir uns eigentlich noch befinden wollen und wer das Feld denn überhaupt macht. Dass wir nun für einige, deren Kartenhäuschen langsam zerfällt, die Hassband Nr. 1 sind, finden wir klasse und ist ein sehr guter Ansporn weiterzumachen. Wir stehen nämlich nicht auf der Bühne und spielen Oi! Punk Rock n Roll um Selbstbestätigung, oder neue Freunde zu finden und den Wochenend-Clown zu spielen, der nur einmal die Woche aus seinem spießbürgerlichen Leben ausbricht, sondern haben wir unseren Spaß als wir selbst, mit unserer Crew, mit unserer Family und nicht als Doi!tschland!


SHARP! Ihr habt nach wie vor ein SHARP Logo auf eurer myspace Seite, und Songs wie “Bonehead” unterstreichen das auch musikalisch. Insgesamt scheint SHARP aber etwas ins Hintertreffen geraten zu sein. RASH ist gewachsen. Und bei rechten Labels wie DIM Records prangt sogar auf der ersten Seite der alte SHARP Slogan “never red nor racist”, der nur noch gegen Linke verwendet wird (während Nazi Musik natürlich weiter im Angebot ist). Wie seht ihr die Zukunft von SHARP?


Dass SHARP mittlerweile interpretierbar geworden ist,
finden wir scheiße! Wir haben SHARP anders erlebt. Da wurde man mit derartigen Aufnähern von manchen noch als linkes Schwein, o.ä. beschimpft, denen man dann das Nasenbein brach und die einen daraufhin angezeigten, oder verklagen mussten, aber zumindest von der einen oder anderen Blitzbirne, wie z.B. Sebi von Stomper, drauf angehauen was man denn eigentlich mit dem SHARP-Scheiß will. Dass man als SHARP mit Rechts bzw. deren Freunde nichts zu tun haben will, war selbstverständlich und eigentlich auch geradezu klargestellt wenn man derartige Aufnäher, oder Buttons trug. Heute nutzen die, die einst SHARP als „zu links“ einstuften, selbige Symbolik, um sich die Weste wieder reinzuwaschen, oder Verwirrung zu stiften. RASH ist gewachsen und wird weiterwachsen, davon sind wir auch überzeugt, da hier einfach ein ernsthafter, für manche schon längst überfälliger, Gegenpol zu dieser miesen Entwicklung geschaffen wird.


Labelwechsel! Ihr seid nun bei Mad Butcher gelandet. Zuvor hattet ihr euch von Hasscontainer getrennt, später von Contra Records. Bei beiden wohl nicht so sehr im Guten. Bei Contra heißt es sogar, sie hätten euch rausgeschmissen, weil ihr die Oire Szene Redaktion unterstützt hättet. Was war da los?


Endlich ein anständiges Label, wir freuen uns!
Mit Red Giants Records, Anfibio und Insurgence machen wir übrigens auch noch rum! Hasscontainer is out! Da uns das alles ein bischen zu schizophren wurde wenn er auf der einen Seite Geld für Moskau sammelt, jedoch auf der anderen Seite die Grauzone supportet und aus alten Fehlern (w.z.B. Vortex) einfach nicht lernt. Dass er dann auch noch zum Trotze Grauzonenkonzerte in unserer Stadt veranstalten wollte, ließ den Geduldsfaden entgültig reißen. Womöglich liegt ein Teil des Problems aber auch an der jahrelangen Zusammenarbeit mit MAD gepaart mit großer Faktenresistenz und eigenem generellen Unbewusstsein. Wie dem auch sei, die Trennung von Hasscontainer war längst überfällig und wir sind froh! Contra haben uns nicht rausgeschmissen, das war dann mehr ein fast stillschweigendes Auseinandergehen, da vermutlich beide Seiten merkten dass die Reise in unterschiedliche Richtungen geht, bzw. ja eigentlich klar war, dass es uns auf die Dauer doch etwas Magenschmerzen bereiten wird, mit anderen fragwürdigen Bands das Label zu teilen. Also mir persönlich liegt vom „Contra-Chef“ nichts vor, wie in etwa „ihr fliegt jetzt raus weil ihr Oire Szene supportet“ Kein Plan wer da wieder Sachen besser wissen will als die Betroffenen selbst, aber von einem Rausschmiss und das wegen Oire Szene, war nie die Rede, zumindest nicht uns gegenüber.


Eure Tour mit Red Alert!!!! Selbige sind ja eine alte englische Oi! Legende, die für viele sozialkritische Texte steht. Allerdings werden sie auch oft auf exzessive Saufgeschichten reduziert, bzw. tragen wohl auch selbst ein “wenig” dazu bei. Wie habt ihr die Band wahrgenommen?


Red Alert sind herzensgute Alkoholiker, die wir auf unseren gemeinsamen Touren doch sehr lieb gewonnen haben. Innigere Gespräche waren möglich und wir hatten viel Spaß mit ihnen. Wir stehen auf ihre Musik und deren Inhalt. Werden sicher auch bald mal wieder zusammenfinden, aber bestimmt nicht über Hasscontainer. Mit Steve mal über die allgemeine Grauzonenproblematik zu reden, scheint mir gerade auch als sinnlos, da er sich durch Hasscontainer ohnehin zwischen 2 Stühle gestellt fühlt.


Ihr habt ja auch eine Split Platte mit Red Alert gemacht…und euch gegenseitig gecovert. Red Alert haben euren Song Lazy Boy gecovert und ihr habt aus Somewhere in England – Somewhere in Stuttgart gemacht. Warum habt ihr diesen Song ausgewählt, und ihr habt ja auch ein bischen was am Text geändert?


Somewhere in England ist einer unserer Favoriten. Sound und Message geht ab! Quasi ein anti-(lokal-) patriotischer Song den wir gern nutzen wollten, mit einem deutschen Text, den wir uns kurzerhand zurechtbastelten.


Was bei euch auffällt, ist das ihr einige sehr gut gemachte Videos auf eurer Webside habt, wobei speziell das Video zum Sex Pistols Cover “Rock n Roll Schwindel” einfach genial gemacht ist. Hattet ihr professionelle Hilfe oder direkt einen Künstler in der Band?


Alles im Prinzip DIY in Kooperation mit professioneller Hilfe von Sabotakt Filme Tarek, ein alter Freund. Story und Szenen haben wir uns gemeinsam erarbeitet.


Ihr wart auch auf dem The Oppressed Tribut Sampler von Skinhead Revolt Records vertreten. Wie kamt ihr in Kontakt? Konntet ihr euch euren Song frei auswählen? Warum habt ihr “Skinhead Times” genommen? Ich finde ja, er hat einen wirklich sehr sehr guten Text…


Skinhead Revolt kontaktierte uns und bat uns um einen Beitrag zum Oppressed Tribute Sampler, was wir gern annahmen. Wir suchten uns Skinhead Times aus, da der Song wie zugeschnitten zur aktuellen Problematik ist, die es ja nicht erst seit gestern gibt.


Gibt es zu dem Macher des Samplers noch Kontakt? Neben vielen Perlen (und der unterstützenswerten Idee) gibt es auch einige Bands auf dem Sampler die nicht unumstritten sind. Die sind jetzt nicht rechts, aber Horrorshow sind auf einem RAC Sampler vertreten gewesen und Ultimatum bringen ihre Platten ausgerechnet auf KB Records raus. Gab es mit SR-Records da mal Diskussionen?


Ich habe mit ihm diesbzgl. Kontakt aufgenommen und ihm ans Herz gelegt so ne Scheiße nicht zu unterstützen, es gestaltet sich jedoch teilweise auch schwierig das Leuten auf englisch klarzumachen, wenn es ja ein Großteil der Deutschen noch nicht mal rafft, oder raffen will. Man lässt sich eben auch schnell reinlegen von plakativen „Love Music Hate Fascism“ – Stempeln. Das würde einer der rechtsoffen bis rechts ist, ja niemals tun, sich so eine Blöße zu geben und mit der Symbolik des Feindes zu hantieren. Denkste! Die Realität sieht anders aus, und leider übersieht man da auch mal dass so was gern gegen Links umgemünzt wird, bzw. erkennt es nicht, da es nicht so offensichtlich gemacht ist, dass auch ein Engländer es auf Anhieb merken könnte, der keine Ahnung vom eigentlichen Ausmaß unserer doitschen Fencewalkergesellschaft hat.


Eure Tour in die Türkei! Ist ja immernoch etwas Besonderes. Wie habt ihr da Kontakte geknüpft? Welchen Eindruck hattet ihr von dem Land und der Szene dort? Unterscheidet sie sich sehr vom Rest Europas?


Wird bei Gelegenheit wiederholt! Kontakt bestand hier zu den Ofisboyz (R.I.P), die uns ein paar Shows dort klargemacht haben.
Die Szene an sich unterscheidet sich eigentlich nicht von dem Rest Europas, ich denke aber dass Tattoos, Miniröcke, oder Skingirl Cuts,
dort nochmal ne Nummer schärfer provozieren als bei uns, bzw. dass man dort so auch gefährlicher lebt. Gefährlich kann es dort aber auch für KBler werden, die enttarnt wurden an Faschokonzerten teilgenommen zu haben. Da kann man dann auch mal die Beine in die Hand nehmen und abflitzen! Wir wurden dort auch sehr oft gefragt was denn eigentlich in Deutschland los ist, warum wir, als Deutsche, ihre Brüder und Schwestern anzünden…
Alles in Allem aber ein sehr guter Trip, bei dem wir viel Spaß hatten.


Gibt es schon planmäßig geplante Zukunftspläne? Immerhin, wenn ich nicht falsch rechne, dann müsste ja bald ein 20jähriges Bandjubiläum auf euch zurollen?


Wenn die Welt bis dahin noch nicht untergegangen ist, lassen wir uns zum 20. sicher wieder was gutes einfallen. Ansonsten lassen wir mal alles auf uns zukommen.


(Die nicht ganz ernst gemeinte Bonusfrage: Euer Klassiker “Golden Shower – White Power”! Basiert der auf einer wahren Begebenheit? Und wie geht ihr mit dem Vorwurf um, das durch die antifaschistische Vereinnahmung einer ursprünglich unpolitischen Tätigkeit, wie das Urinieren, nun die Gefahr besteht, das unpolitische Skinheads reihenweise mit Nierenschäden in die Notaufnahme eingeliefert werden könnten, da ihnen das Pissen inzwischen zu politisch geworden ist?)


Wahre Begebenheit! Ein Kumpel von mir hat mal am Ludwigsburger Bahnhof 2 schlafenden Faschos die Fresse vollgepinkelt, die dann pissespuckend und noch völlig schlaftrunken türmten. Wenn nun einige unpolitische Skins Nierenschäden davontragen werden, oder nur noch aus dem Arsch pissen wollen, weil ihnen das Pissen an sich zu politisch geworden ist, nehmen wir das natürlich auf uns und werden diese Last mit durchs Leben tragen!